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11. Juni 2016

Siegener Wahrzeichen zum Drucken

Fab Lab SiegenSiegen. Das Fab Lab der Universität fertigt mit 3-D Drucker ein Modell der Innenstadt an. Das Gemeinschaftsprojekt soll die Geschichte Siegens greif- und erlebbar machen.

Leises Summen. Piepen. Die kleine Roboterdüse kreist um einen roten Klotz. Im Paul-Bonatz-Campus wird gedruckt. Aber nicht irgendwie, sondern in 3-D. Was hier entsteht ist ein Miniaturmodell der Nikolaikirche. Stück für Stück wächst der Turm der Kirche, bis hoch zum Krönchen.

Oliver Stickel, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator des Fab Lab, entwickelt mit Hilfe der Geodaten von Prof. Dr. Monika Jarosch die Druckanleitungen. „Die Daten, die wir verwenden, sammeln wir schon seit 2000“, erklärt Prof. Dr. Monika Jarosch. In jedem zweiten Semester bekommen angehende Bauingenieure von ihr den Auftrag, einen Teil der Siegener Innenstadt als 3-D-Computermodell zu entwerfen. „Die Anwendungsmöglichkeiten, die sich jetzt daraus ergeben, sind beeindruckend“, sagt Jarosch.

Geschichte zum Anfassen
Das hat einen einfachen Grund: mit einem 3-D Drucker kann nahezu alles gedruckt werden. Metallarmaturen für Flugzeuge und Trägerraketen, Scharniere für Stühle, Modelle, die Kinder mit dem Computerspiel Minecraft erstellt haben – die Varianten sind endlos. „Der 3-D-Druck ist aber kein Allheilmittel. Bei der Schwerkraft sind dem Ganzen Grenzen gesetzt“, betont Stickel. Deshalb fehlt auf dem kleinen, roten Modell der Nikolaikirche auch noch das Krönchen. Im fertigen Modell, das im Siegerlandmuseum Ende des Jahres ausgestellt wird, soll das Krönchen dann aber fertig sein. Ziel sei es, so Jarosch, 30 bis 40 Orte als 3-D-Modell zu drucken, die eine geschichtliche Bedeutung für die Stadt haben. „Deshalb arbeiten wir auch mit Historikern, Schulen und mit dem Team der Geschichtsdidaktik der Uni zusammen“, sagt Jarosch. Bis dahin diskutieren die Beteiligten allerdings noch die genaue Umsetzung. Denn: auch leitfähiges Material kann gedruckt werden. Das erzeugt ein kleines Magnetfeld. Auf der Probeplatte mit Platinen und Kabeln macht das Prof. Jarosch vor. Sie fährt mit dem Finger über eine kleine Fläche die aufgedruckt wurde. Auf einem Miniaturbildschirm daneben leuchten an der Stelle, wo sie drückt Lämpchen. „So können wir beispielsweise auch die Nikolaikirche zum Leuchten bringen, wenn Besucher sie anfassen“, erklärt Stickel.
Modelle sind zeitintensiv
Drei Stunden dauerte der erste Probedruck eines Modells der Nikolaikirche im Maßstab 1:900. Und das ist auch ein kleines Problem des 3D-Drucks: „Es ist unheimlich zeitintensiv“, sagt Stickel. Der Druck des kleinen Modells hat insgesamt drei Stunden gedauert.Das Piepen und Summen des Druckers hat aufgehört. Das Modell ist noch ein wenig warm. Aber es sieht genau so aus wie der große Bruder in Siegen.

Projekt wird von Stadt und Universität gefördert
Das Projekt Zeit.Raum Siegen wird von der Stadt und der Universität mit insgesamt 180 000 Euro gefördert.3-D Drucker sind in den günstigsten Varianten schon ab 400 Euro zu haben. Pläne zum Zusammenbau gibt’s im Internet.
Quelle